Recht auf Leben – die Menschenrechte werden 70 Jahre alt

Der 10. Dezember ist der internationale Tag der Menschenrechte. Heuer wird dieser Tag zum 70. Mal begangen, denn im Jahr 1948 wurde von der Generalversammlung der UN die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet.

Doch bis heute werden unzählige Menschen rund um den Globus auf Grund ihrer Herkunft, Religion oder ihrer politischen Überzeugungen verfolgt. Sklaverei und Folter sind noch lange nicht abgeschafft, sondern haben neue Dimensionen erreicht. Denkt man beispielsweise an illegal beschäftigte Tagelöhner auf den Obst-Plantagen Spaniens, an Menschenhandel afrikanischer MigrantInnen in Libyen, oder Zwangsprostitution vor allem osteuropäischer Frauen in den westlichen Ländern, wird deutlich: auch vor unserer Haustüre werden tagtäglich Menschenrechte verletzt.

Für „Daraja – die Brücke“ bedeutet Entwicklungszusammenarbeit vor allem „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mit diesem Motto haben junge Studierende aus Linz vor über zehn Jahren einen Verein ins Leben gerufen, der Menschen in Kenia, die ökonomisch und gesundheitlich benachteiligt sind, auf Augenhöhe begegnen will. Die Ärmsten der Armen fallen oft durch jedes Sicherheitsnetz und sind Opfer von Zwangsarbeit, Prostitution und Gewalt. Ein menschenunwürdiges Leben in einer kleinen Lehmhütte ohne Strom und Wasser, mit wenigen Dollar pro Tag aus diversen Gelegenheitsjobs, einem kaum  leistbaren Gesundheitssystem und der Diagnose HIV hat sich keines unserer Projektmitglieder in Kenia ausgesucht.

Anfänglich hat „Daraja – die Brücke“ den Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit mit Kenia auf Frauen mit der Diagnose HIV gelegt. Der Gedanke dahinter: auch in den teilweise noch stark patriarchal organisierten Familien Kenias sind Frauen oftmals die eigentlichen Familienoberhäupter. In den einkommensschwachen Milieus sind sie vielfach Alleinverdienerinnen und kümmern sich zusätzlich um Haushalt und Kindererziehung. Unterstützt man also die Frauen in Kenia, profitiert die gesamte Familie davon. Besonders im Hinblick auf Prävention und Aufklärung zum Thema HIV/AIDS sind Frauen wichtige Multiplikatorinnen. Die Statistiken zeigen nun allerdings, dass mehr als die Hälfte aller HIV-Neuinfektionen in Kenia junge Menschen unter 24 Jahren trifft (51%). Daher ist es für “Daraja – die Brücke” zu einer neuen Hauptaufgabe geworden, Kinder und Jugendliche über HIV/AIDS zu informieren, sie zu schützen, und sie im Krankheitsfall zu begleiten. Außerdem erhalten die jüngsten Mitglieder in unserer Kindergruppe „Watoto“ Unterstützung in der Schule und bei der Ausbildung, um ihnen eine unabhängige Zukunft zu sichern. So hat die 14jährige Tipiyion die Möglichkeit bekommen, eine polytechnische Schule zu besuchen, um Schneiderei zu erlernen.

Helfen ist eine beiderseitige Angelegenheit. Unterstützung muss an die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Gegenübers angepasst und auch angenommen werden. Die Würde und Rechte der Menschen müssen geschützt werden – das entspricht den grundsätzlichsten Forderungen der Menschenrechtserklärung.