Interview mit Praktikant Christopher Nowotni

Im Februar haben wieder vier Studierende der Fachhochschule Linz, Studiengang Soziale Arbeit, ein Kurzzeit-Auslandspraktikum in unserem Projekt in Kenia absolviert. Einer von ihnen ist der Linzer Christopher Nowotni. Die Zeit mit den HIV-positiven Erwachsenen und Kindern in Emali, einer der ärmsten Regionen des Landes, die seit 2007 von unserem Verein "Daraja - die Brücke" unterstützt werden, beschreibt er als eine unvergleichliche und prägende.

 

1) Was hat dich dazu gebracht, dich für ein Praktikum bei Daraja zu bewerben?

Es war die Präsentation über Daraja von Lisa und Theresa. Meine Begeisterung dafür war innerhalb von Sekunden hervorgerufen. Hinzu kommt, dass ich die Welt erkunden und zugleich aber das "wahre Leben" kennen lernen möchte. Mit "wahrem Leben" meine ich; weg vom Tourismus zur Realität.

 

2) Hat Kenia - das Land, die Leute - deine Vorstellungen erfüllt, oder war alles anders als erwartet?

Ich hatte überhaupt keine Vorstellungen über das Land und seine Bewohner. Meiner Meinung nach ist es tückisch zu viele Erwartungen zu haben, weil einfach die Gefahr besteht, enttäuscht zu werden. Ich ging also mit offenen Herzen, ohne Erwartungen und mit einer aufgeschlossener Haltung nach Kenia. Das ist für mich die beste Art zu leben. ;

 

3) Was war während deines Aufenthalts in Kenia das
prägendste Erlebnis?

In diesen vier Wochen waren einige prägende Erlebnisse. Aber es war an einem Sonntag in Loiktoktok (i.d.N. vom Amobeseli-Nationalpark) was mir in Erinnerung blieb. Ich spazierte am Sonntagvormittag durch diese kleine Stadt, auf der Suche nach einer Kirche. Insgesamt waren es nach diesem Tag fünf Kirchen die ich besuchte und was für mich so besonders war, war der jedes Mal freundliche Empfang. Diese Offenheit, Toleranz, Menschlichkeit sowie Echtheit waren überwältigend für mich. Ein wirklich sehr schönes Erlebnis für mich, wo ich mich gerne zurück erinnere. Ebenso schön waren die Besuche in den Schulen. Selten habe ich so strahlende, zufriedene Kinder erlebt.

 

4) Wie hast du das Projekt in Emali erlebt? Hast du das Gefühl, dass diese Art von Entwicklungszusammenarbeit Sinn macht?

Zu Beginn des Praktikums war ich mir nicht sicher, ob ein Projekt wie dieses sinnvoll ist. Es waren die Umstände in diesem Land die mich zweifeln ließen. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Nachdem ich Einblicke in diese Organisation erhalten habe und die Klientinnen/Klienten kennen lernen durfte, wurde meine Meinung geändert. Genauer gesagt war es eine Dame, die meine Einstellung gegenüber Daraja/Mt. Zion umwandelte. Sie hatte eine unglaubliche, positive und glückliche Ausstrahlung und war so dankbar für dieses Projekt. In diesem Moment war ich mir zu 100 % sicher; JA dieses Konzept ist hilfreich und macht Sinn.

 

5) Gibt es deiner Meinung nach Veränderungsbedarf? Wo würdest du, wenn möglich, mehr Geld investieren?

Ich finde vier Wochen sind zu kurz, um zu wissen was hinter so einem Projekt steckt. Wo mehr Geld investiert werden sollte, wo weniger, kann ich schwer beurteilen. Hätte ich die Verantwortung, würde ich den Bereich der Prävention mehr fokussieren. Den Menschen in Kenia fehlt das Wissen über Geschlechtskrankheiten und dessen Folgen. Besonders das Thema Verhütung und Aufklärung gehört viel mehr Beachtung geschenkt. Ich glaube in diesen Bereichen wäre es vorteilhaft zu handeln.

 

6) Würdest du es noch einmal tun?

Meine Antwort auf diese Frage ist ohne Zweifel JA. Es war für mich (uns) eine Bereicherung und ich habe meine Entscheidung für dieses Projekt/ mein Praktikum keine Sekunde bereut.