HIV heilbar?

Seit rund 20 Jahren gilt die HIV-Infektion als eine gut behandelbare Erkrankung, welche die Lebenserwartung und Leistungsfähigkeit Betroffener in westlichen Industrieländern kaum mehr einschränkt. Das Virus schädigt den Körper nur noch wenig. Auch die Nebenwirkungen während der Behandlung sind gering. Die gänzliche Heilung von dem HI-Virus, der durch diverse Körperflüssigkeiten, wie etwa Blut, Vaginalsekret, Sperma und auch Muttermilch übertragen werden kann, wurde etliche Jahre als unrealistisch angesehen.

Timothy Brown gilt als weltweit bekanntester geheilter Patient. 1995 hat er sich mit dem HI-Virus infiziert und wurde seither gut mit Medikamenten behandelt. 2006 wurde bei ihm allerdings auch noch Leukämie festgestellt. Aufgrund dieses diagnostizierten Krebses und weil eine Chemotherapie bei seinem Krankheitsverlauf keine Option mehr war, erhielt der damals in Deutschland lebende US-Amerikaner im Jahre 2007 an der Charité in Berlin eine Stammzelltransplantation. Dabei wurde sein körpereigenes Immunsystem zur Gänze ausgeschaltet und durch ein neues ersetzt- dieser Eingriff war sehr riskant. Der behandelnde Arzt suchte für seinen Patienten einen Knochenmarkspender mit einer äußerst seltenen genetischen Mutation, die verhindert, dass das HI-Virus in die Körperzellen eindringen kann. Lediglich 1,5 Prozent der Nordeuropäer verfügen über diese Mutation, die sie gegen die meisten HIV-Varianten immun macht. Es wurde ein passender Stammzellenspender gefunden und Timothy Brown gilt seit mittlerweile über zehn Jahre als frei von HIV.

Vor kurzem ist jetzt auch in London ein HIV-Patient mit Hilfe einer besonderen Therapieform geheilt worden. Ihm wurden aufgrund einer Art von Lymphdrüsenkrebs ebenfalls Stammzellen transplantiert. Der Spender hat in seinem Erbgut eine sehr seltene Mutation, die ihn immun gegen bestimmte Formen des HIV-Virus macht. Davon profitierte nun auch der Patient. Da das Immunsystem des Patienten bei dieser Behandlung nicht komplett ausgeschaltet werden musste, gilt diese Behandlung als weniger aggressiv. Bei dem vormals Infizierten sind 34 Monate nach einer speziellen Stammzelltransplantation keine Viren mehr nachweisbar. Sollte der Aidserreger auch in den kommenden Jahren nicht zurückkehren, wäre er der zweite Patient weltweit, der als von HIV geheilt gilt. Laut britischen Mediziner*innen sei es aber noch zu früh, um über die Heilung des Londoners ein konkretes Fazit zu machen. Für das Reduzieren der Immunerkrankung weltweit haben diese Einzelfälle derzeit keine wissenschaftlich fundierten Bedeutungen, da diese Therapieform nur für eine sehr kleine Zahl von HIV-Infizierten in Frage kommt.

Eine Knochenmark- bzw. Stammzelltransplantation ist ein hoch kompliziertes Verfahren mit großem Komplikationsrisiko. Daher wird dieses Verfahren, das auch ein erhebliches Mortalitätsrisiko vorweist, nur bei speziellen Fällen durchgeführt- nämlich bei schwerkranken Blutkrebspatient*innen. Es müssen spezielle Bedingungen vorliegen, damit dieser starke Eingriff durchgeführt wird, da dieser mit schweren Nebenwirkungen einhergehen kann. 

Auch in Kenia haben Menschen mit einer HIV-Infektion eine langfristige Lebensperspektive, vorausgesetzt, der Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten ist gewährleistet, Begleiterkrankungen können rasch behandelt werden, und die Ernährung ist ausgewogen und reichhaltig. Da dies in den Regionen der Peripherie oft nicht der Fall ist und dem staatlichen Gesundheitssystem Mittel und Wege fehlen, HIV-positive Menschen ausreichend medizinisch zu versorgen, ist die Arbeit von Freiwilligen-Organisationen und NGOs, darunter Daraja – die Brücke, weiterhin unumgänglich.