Die Stadt Emali

„Die Stadt, die niemals schläft“

Als „die Stadt, die niemals schläft“ wird Emali auf Wikipedia bezeichnet. Diesen Beinamen hat sie auf Grund ihrer geographischen Lage erhalten. An der Mombasa-Road, einer der wichtigsten Verkehrsstraßen Ostafrikas gelegen, verbindet Emali nicht nur die kenianische Hauptstadt Nairobi mit der Küstenstadt Mombasa, sondern führt Touristen in das nahegelegene Nationalpark-Gebiet des Kilimanjaro, und Transporte und Handelsreisende bis in die Demokratische Republik Kongo. Viele LKW-Fahrer machen in Emali Halt, einige Hotels, viele Imbiss- und Marktstände und ein reges Nachtleben haben sich in der Kleinstadt an der Verkehrsstraße etabliert – und damit das sogenannte älteste Gewerbe der Welt.

Blühende Prostitution

In Emali gibt es nicht viel, womit sich Geld verdienen lässt. Wegen fehlender Industrie sind die meisten Menschen auf Jobs im Handel oder Dienstleistungssektor angewiesen. Friseurgeschäfte, Nähstuben und Lebensmittelshops prägen das Stadtbild. Kenias wahrscheinlich bekannteste Bevölkerungsgruppe, die Massai, ist in der Region angesiedelt und lebt  oftmals traditionell von ihrer Rinderzucht. Wer ein Stück Land besitzt, baut etwas an, doch Landwirtschaft ist im halbtrockenen Hochland Kenias, mit den unvorhersehbaren Klimaschwankungen, immer schwieriger geworden. Vielen Frauen in der Region, die lange von der Regierung vernachlässigt wurde, bleibt, oft auf Grund von mangelnder Ausbildung und fehlenden Arbeitsplätzen, nur der Weg in die Prostitution. Die Nachfrage ist in Emali, bedingt durch den regen Durchzugsverkehr, groß.

Epizentrum der HIV-Verbreitung

Prostitution ist in Kenia illegal – Sexarbeit wird in keiner Weise staatlich kontrolliert oder geschützt. Gesundenuntersuchungen erfolgen freiwillig. Damit ist der Verbreitung des HI-Virus keine Grenze gesetzt. Reisende, als auch die mittellose ländliche Bevölkerung infizieren sich. Die HIV-Rate ist in Emali um ein vielfaches höher als in anderen Regionen des Landes. (2006 lag sie bei über 10%, laut National Aids Control Council). Gleichzeitig ist auch die Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-Positiven auf Grund fehlender Aufklärung  massiv. Das bewirkt, dass viele Infizierte ihren Status verschweigen und andere anstecken. Gründe genug, für Daraja – die Brücke, um genau hier ein Hilfsprogramm ins Leben zu rufen.

Die Menschen von Emali

Die Stadt liegt innerhalb der Grenzen zweier kenianischer Provinzen, welche von unterschiedlichen Ethnien bewohnt werden. So kommt es, dass sich vielfach traditionell lebende Massai und fortschrittlichere Kamba die Region (20 000 Einwohner) und Stadt Emali (ca. 8000 Einwohner) teilen. Die unregelmäßig auftretenden Regenzeiten verursachen immer wieder Nahrungsmittelknappheit und während des Regens die Häufung von Malariafällen. Dies schwächt insbesondere die mit dem HI-Virus infizierten Menschen besonders und steigert dadurch deren finanziellen Aufwand für Ernährung und Medikamente. Die in Emali beheimateten Menschen sind etwa zur Hälfte von existenzieller Armut (<1,25 $/Tag) betroffen und viele der älteren Generation können weder lesen noch schreiben.

 

Regenzeit
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